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Cavertitz wird schon in diesem Jahr noch Flüchtlinge aufnehmen


Einwohnerversammlung in der Buchaer Mühle. Viele waren gespannt, wie viele Einwohner der Gemeinde Cavertitz kommen würden. Der Saal war gefüllt, die Stühle reichten nicht, viele standen über mehr als anderthalb Stunden bei einer teils hitzig geführten Debatte. Das Thema brennt unter den Nägeln.: Auch Cavertitz wird Flüchtlinge aufnehmen müssen, so wie alle Gemeinden des Landes. 2015, so war zu erfahren, werden es 1,5% gemessen an der Einwohnerzahl sein. Das sind 34 Personen. Im kommenden Jahr kommen noch einmal genau so viele dazu. Die Gemeinderäte hatten das Thema bereits zu beraten und konnten dafür sorgen, dass die „Mühle“ ein Familienwohnprojekt wird. Eine Angst schwebte ausgesprochen über vielen Buchaern: Das ehemalige Hotel könnte alleinstehende Männer beherbergen. Das, so betonte die Dezernentin für Soziales des Landratsamtes, Angelika Stoye, wird nicht der Fall sein: „Ausschließlich Familien werden hier untergebracht. Darauf können sie sich berufen.“ Es handelt sich auch um keine Erstaufnahmeeinrichtung.

Viele Fragen hatten die Bürger an die Vertreter des Landrates, Bürgermeisterin Christiane Gürth, den Vertreter des künftigen Betreibers – die Asyl-Betreuungs- und Beherbergungsgesellschaft mbH, die Vertreter des Polizeireviers Oschatz und den Hotelbesitzer. Es ging um:

Wie lange die Asylsuchenden bleiben werden? – Nach der endgültigen Entscheidung über den Asylantrag können die Betroffenen sich einen Wohnsitz in Deutschland oder einem anderen EU-Staat suchen.

Wo werden sie Deutsch lernen? – In der Unterkunft wird es entsprechende Deutschkurse geben.  Kinder im schulpflichtigen Alter unterliegen vom ersten Tag an der Schulpflicht; Grundschüler werden in der Schule am Collmblick in Oschatz in entsprechenden Klassen aufgenommen, die der Oberstufe in Mügeln.

Kindergartenkinder müssen regulär angemeldet werden wie von jedem anderen Bewohner der Gemeinde auch und im Gegensatz zur Schulpflicht bleibt das den Familien überlassen. Die Kosten übernimmt wie auch bei deutschen Sozialhilfeempfängern das Bundesland.

Die Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, schon lange bestehende Probleme anzusprechen wie beispielsweise mangelhafte Transportmöglichkeiten , die nicht nur die künftigen Mitbewohner betreffen, da es beispielsweise jetzt schon nicht genug Sitzplätze für die Schüler in den Bussen gibt. Fehlende Intergationslehrer für die Grundschule in Cavertitz sind schon seit langem gefordert und versprochen worden, aber noch immer nicht in Sicht. Auch das haben die Vertreter des Landkreises sich als zu lösende Aufgabe mitgenommen.  Es wurde deutlich, dass nicht nur Aufgaben anstehen, die die Flüchtlinge betreffen und diese jetzt nicht unter den Tisch fallen dürfen.

Was der Hoteleigentümer für die Unterbringung der Familien bekommt, konnte aus Verschwiegenheitsgründen erneut nicht beantwortet werden, allerdings merkte Angelika Stoye an, dass sich an den örtlichen Mieten orientiert wird und Bucha nicht Köln sei.  Und es besteht nach wie vor die Möglichkeit, frei stehenden Wohnraum entsprechend anzubieten. Dann könnten da Familien untergebracht werden. Das Kontingent von 3 Prozent an der Bevölkerungszahl der Gemeinde Cavertitz bleibt auch in diesem Falle bestehen. Die Zahl an Neubürgern wird so oder so 68 betragen.

Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt.

Ein Leipziger mit Datsche in Bucha fragte, was wir an Integration von den Asylsuchenden erwarten und erhielt die Antwort, dass u. a. die vor Ort tätig werdenden Sozialarbeiter darauf Wert legen, dass die Werte der Bundesrepublik vermittelt und geachtet werden. Das ist ein Prozess, der viel Arbeit verlangt. Und man wird die Familien in die Arbeit in der Unterkunft einbeziehen, ihnen Aufgaben übertragen, was ja auch wichtig ist, um sie in die Gesellschaft einzubeziehen.

Ebenso wurde ausführlich erläutert, was es mit den 670 Euro auf sich hat, die angeblich jeder Asylantragsteller erhalten solle. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Auszahlung, die getätigt wird, es handelt sich bei dieser Summe um das Geld , das der Bund den Ländern zahlt für Unterkunft, Bekleidungshilfen etc.

Pfarrer Markus Gnaudschun verwies auf ein geplantes Netzwerk für gute Nachbarschaft. Und dabei soll es nicht nur um nachbarschaftliche Hilfe für Flüchtlinge gehen, sondern um eins, das Hilfe für alle geben könnte. An die zwanzig Bürger trugen sich schon mal ein in die ausgelegten Listen für ein solches Netzwerk, unabhängig von ihren religiösen oder politischen Ansichten. Weitere Mitstreiter sind herzlich willkommen, betonten die Initiatoren, zu denen auch Bürgermeisterin Gürth zählt.

Sicherlich ist nicht jeder befriedigt nach Hause gegangen, blieb Widerstand bzw. Skepsis gegen das geplante Projekt, und es blieben auch nicht alle vorgebrachten Bedenken sachlich. – Christiane Gürth meinte anfangs: „Wir finden hoffentlich viele helfende Hände. Vorbehalte kann man nur ausräumen, wenn man miteinander spricht.“

Autorin: Sabine Steinmann

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